„Behutsam taktieren zwischen Angebot und Nachfrage“01.07.09

Will auch andere Akzente setzen: Tom Müllers, Galerist und Bildhauer aus Rendsburg. Foto: Imme Feldmann
Sieben Galerien präsentieren in Schleswig-Holstein künstlerische Arbeit
Sie sind Bühne und Diskussionsforum zugleich: Galerien bieten Künstlern die Möglichkeit, ihre Arbeiten überhaupt erst präsentieren zu können. Und sie sind bestens dafür geeignet, sich mit Künstlern auszutauschen. Insgesamt sieben professionelle Galerien gehören dem Schleswig-Holsteinischen Galerienverband an. Einer dieser für die Entwicklung der Kunstszene so wichtigen Orte ist das Kunsthaus Müllers in Rendsburg, das bereits jeweils zu Jahresbeginn mit einem verlässlichen Programm kundtut, wer wann bei ihnen ausstellt. Dabei sind Galerien immer wieder offen für Neues, wollen Entwicklungen aufspüren und Trends verstärken. 1996 hat das Ehepaar Sybille und Tom Müllers mit der Galeriearbeit begonnen, als sie einen „traditionellen“ Kunsthandel übernahmen. Die Kunden wollten anfangs vor allem Landschaften, gefällige Drucke vom Großhändler. Doch nach und nach erschlossen sich die Müllers eine Szene von Künstlern, die sich „Norddeutsche Realisten“ nennt. Diese Künstler haben sich in der zeitgenössischen Kunstszene Schleswig-Holsteins längst einen Namen gemacht, sie beherrschen die Kunst des abbildlichen Malens auf aktuelle, interessante Weise. Galerist Tom Müllers ist selbst bildender Künstler. An der Werkkunstschule Flensburg hat er Steinbildhauerei studiert. In der Kunstszene des Landes kennt man den 55-Jährigen schon länger. Mehrmals war er in Landesschauen des BBK (Bund Bildender Künstler) vertreten, auch befinden sich Werke von ihm im öffentlichen Raum, beispielsweise auf der Insel Nordstrand. Die Galerie muss für ihn, da er von der Bildhauerei allein nicht leben kann, ein Mittel zum Geldverdienen sein. Über die Jahre haben Tom und Sybille Müllers mit ihrer Galerie einen deutlichen Schritt nach vorn gemacht – inzwischen kommt aus ganz Schleswig-Holstein Kundschaft in die Räumlichkeiten direkt neben der historischen Marienkirche. Inzwischen wagen es die Müllers auch, Kunst auszustellen, die sich von den „Norddeutschen Realisten“ durch mehr Abstraktion oder andere Akzente unterscheidet. „Wir versuchen jetzt, unsere Kunden auch an anderes heranzuführen“, sagt Tom Müllers verschmitzt. Gerade stellt er zwei schwedische Künstlerinnen aus, kreiert ein kleines Blickfenster in den skandinavischen Raum. Die Entwicklung seiner Galerie zeigt symptomatisch an, dass der Kunstgeschmack der Schleswig-Holsteiner noch entwicklungsfähig ist – es gibt hier verhältnismäßig wenig professionelle Galerien, und diese müssen zwischen dem Angebot der Künstler und der Nachfrage des Publikums behutsam taktieren, um zu überleben.
(Serie wird fortgesetzt)

