Kotzbrocken01.07.09

Scheibners Spot

Ach, wie schön: die HSH-Nordbank sucht nach neuen Wegen, die drei Milliarden Euro Staatshilfe, mit der sie vor dem Kollaps gerettet wurde, irgendwie wieder reinzuholen. Und zwar mit Kunst! Mit Kunstwerken, aufregenden modernen Kunstwerken. Die können Sie jetzt kaufen oder mieten – und damit der Bank aus ihrem Schuldenabgrund helfen. In Hamburg sind sie ausgestellt, die Kunstwerke, die einen Wert zwischen 75 und 8000 Euro haben. Davon besitzt die Bank 1100, also ein Gesamtwert von etwa 1,8 Millionen. Das ist natürlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber trotzdem: welch ein mutiger Anfang. Eines der spektakulärsten Kunstwerke, die in Hamburg ausgestellt sind, ist ein vollkommen grünes, viereckiges Ölgemälde. Von dem Künstler Joachim Grommek. Ist also nichts weiter drauf zu sehen als die Farbe Grün. Da fragt man sich natürlich wieder als Betrachter: Was will uns der Künstler damit sagen? Aber dann liest man den Titel des Kunstwerks: „Kotzbrocken!“ Aha, da sind wir schon einen Schritt weiter. Es ist ja bekannt, dass viele Maler immer ihre Auftraggeber und Mäzene gemalt haben. Aus Dankbarkeit. Sollte er vielleicht einen Herrn aus dem Vorstand abgebildet haben? Wer könnte das sein? Dr. Jens Nonnenmacher vielleicht? Beim Lesen der letzten Bank-Bilanzen? Egal, ich finde die Kunst-Idee großartig. In der modernen Kunst ist ja heute alles möglich. Könnte man denn nicht auch einfach mal den ganzen Bankvorstand zum Kunstwerk erklären? Und die verantwortlichen Politiker von Freytag bis Stegner dazu? Kotzbrocken und Bankster! Das wäre doch schön. Dann könnte man sie wenigstens aufhängen – als Kunstwerke, meine ich. Im Museum.