„Mein größter Wunsch? Eine friedliche Welt“01.07.09

Foto: Peter Brandhorst

Seit Jahresbeginn gehört Jörg Warkentin zu unseren Lübecker Verkäufern. In dieser Ausgabe erzählt er von seinem Leben und seinen Träumen.

Irgendwie ist in meinem Leben immer etwas los, nichts tun kann ich nicht. Und dass ich viel um die Ohren habe, mich für viele Dinge interessiere, das tut mir richtig gut. Während meiner Verkaufsarbeit bemerken das meine Kunden offenbar auch immer wieder. Jedenfalls sagen sie oft zu mir, dass ich anderen gegenüber immer freundlich durch den Tag gehe.
Geboren und aufgewachsen bin ich in der DDR. Zunächst habe ich an Land das Maurerhandwerk gelernt und später auf hoher See das Seemannshandwerk, unter anderem an Bord der „Fridtjof Nansen“. Nach fünf Jahren bin ich dann jedoch wieder zurück an Land, habe umgeschult auf Sportmasseur. In den Westteil Berlins kam ich noch vor dem Mauerfall. Meine besten Freunde waren irgendwann aus politischen Gründen im Knast und ich hab gedacht: Wo ’ne Mauer ist, da muss man ’rüber. Also habe ich einen Ausreiseantrag gestellt und bin weg. Zunächst habe ich in Berlin gelebt, unter anderem in einer Wagenburg auf dem Mauerstreifen, und später auch eine Zeit lang auf den Kanaren. Jetzt ist Lübeck mein Zuhause, hier fühle ich mich sehr wohl.
Meine damaligen Erwartungen an den Westen? Freiheit, Liebe und Party ohne Ende. Klar, dass die nicht erfüllt wurden, als erstes ist die Liebe dabei zerbrochen. Aber Party haben wir gemacht, und dazu gehörte damals für mich auch Alkohol. Irgendwann nach vielen Jahren wurde der zum Problem. Ich habe dann hart daran gearbeitet, wieder ohne ihn leben zu können. Und ich habe es vor acht Jahren geschafft, habe meine Alkoholkrankheit überwunden.
Mein größter Wunsch? Eine friedliche Welt – auch wenn das zunächst vielleicht naiv klingt. Und für mich selbst möchte ich ein erfülltes, liebevolles Leben. Mein beruflicher Traum ist, als Sportmasseur in der Fußreflexzonentherapie zu arbeiten oder auch als Heilpädagoge. Im Moment lebe ich von Hartz IV. Dass ich seit Anfang dieses Jahres HEMPELS verkaufen kann, hilft mir sehr bei der Bewältigung meines Alltags. Ich bin mit meinen Zeitungen immer abends in den Restaurants und Cafés der Lübecker Innenstadt anzutreffen. In Berlin habe ich bereits schon mal Zeitungen verkauft, damals war ich Handverkäufer für die taz. Die Arbeit jetzt als HEMPELS-Verkäufer gefällt mir wieder sehr gut, weil ich einfach gerne unter Leuten bin. Ich möchte mich an dieser Stelle auch bei den Wirten in Lübecks Innenstadt bedanken, die mir die Möglichkeit geben, ihren Gästen HEMPELS anbieten zu können.
Ich habe es anfangs ja schon gesagt, dass ich gerne aktiv bin und viele Dinge tue. Zum Beispiel bin ich tagsüber oft in einem Kleingarten anzutreffen. Dort baue ich Gemüse und Blumen an – ganz normal eben. Was mich am meisten erfüllt, sind aber Aktionen mit Kindern und Jugendlichen. In diesem Frühjahr war ich fünf Tage lang ehrenamtlich als Wachführer auf der „Fridtjof Nansen“ mit 30 Jugendlichen aus 13 Nationen unterwegs. Phantastisch, wie das trotz aller kulturellen Unterschiede funktionierte. Ganz wichtig ist mir auch der Spieltag für Kinder, den ich whrenamtlich in St. Lorenz Süd betreue. Das läuft über das Jugendamt. Übrigens: Da könnten wir ein paar Sponsoren gebrauchen.