HEMPELS 171 / Juni 2010

Nimm es selbst in die Hand


Verkäufer und Macher unserer Imagewerbung: Claudia Höhne und Tina Staack (ideenwerft), Giovanni (hi.), Stephan und Nathalie sowie Fotograf Klaus-Henning Hansen (Foto: Dieter Suhr)

Bei unserer neuen Plakatwerbung stehen die Verkäufer im Mittelpunkt.  Menschen in Not soll so die Möglichkeit aufgezeigt werden, die eigene Lebenssituation verändern zu können.

Schon die Arbeit mit dem Fotografen hatte ihnen großen Spaß bereitet. Und als unsere Verkäufer Nathalie Dfifferdange und Stephan Richini ein paar Wochen später in der Redaktion das fertige Plakat mit ihrem Porträt betrachten, steht ihnen die Freude immer noch ins Gesicht geschrieben. „Es macht uns richtig stolz, dass wir HEMPELS repräsentieren dürfen“, sagt schließlich der 40-jährige Stephan. Seine Freundin Nathalie, 27, und er sind zusammen mit ihrem Hund Sam ein Motiv unserer neuen Imageaktion. Zwei weitere Din-A-2-Motive zeigen unsere ebenfalls in Kiel arbeitenden Verkäufer Almut Herkewitz, 39, und Giovanni Giudice, 52. Rund 150 Frauen und Männer vertreiben aktuell landesweit unsere Zeitung, mehr als 1000 Menschen sind bereits in den vergangenen knapp 15 Jahren den Weg als HEMPELS-Verkäufer gegangen. Viele haben so den Sprung zurück in einen geregelten Alltag geschafft. Unsere neue Plakataktion soll weiteren Menschen in sozialer oder materieller Not die Möglichkeit aufzeigen, über die Verkaufstätigkeit die eigene Lebenssituation nachhaltig zu verändern. „Nimm es selbst in die Hand“ heißt deshalb auch der Slogan auf allen drei Plakatmotiven. Für uns entwickelt hat diese Werbeaktion die Agentur „ideenwerft“ aus Laboe.

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Sparen mit der Sense

Foto: Dieter Suhr

Setzt das Land seine Sparpläne um, steht besonders der So­zial­bereich vor dem Kollaps

Die Lage für Schleswig-Holstein Soziallandschaft ist dramatisch: Kommt es tatsächlich zu den Ende Mai von der Landesregierung angekündigten Mitteleinsparungen, droht vor allem dem Sozialbereich  der Kollaps (siehe HEMPELS Nr. 168). Bis 2020 will die Regierung die Landesausgaben insgesamt um 1,25 Milliarden Euro kürzen, das erste Sparpaket des Doppelhaushalts 2011/12 soll mindestens 250 Millionen umfassen. Ein großer Teil davon betrifft Soziales und Bildung. Bis Dezember muss eine Sparmaßnahme nach der anderen noch von der Ein-Stimmen-Mehrheit der CDU/FDP-Koalition im Landtag beschlossen werden. Schon in den vergangenen Wochen hat sich landesweit massiver bildungs- und sozialpolitischer Protest formiert gegen die vom regierungsfreundlichen „Hamburger Abendblatt“ als „Crashkurs“ und „Himmelfahrts-Sparkommando“ be­zeichneten  Kürzungsvorschläge. 

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„Niemand darf unter das Minimum rutschen“

Diakoniechefin Landespastorin Petra Thobaben (Foto: Dieter Suhr).

Diakoniechefin Thobaben zu Gerechtigkeit und gesellschaftlicher  Veränderung

Landespastorin Petra Thobaben, wie sozial und wie gerecht ist unsere Gesellschaft? Befindet sie sich mittlerweile in einer sozialen Schieflage?

Die verschiedenen Krisen der jüngeren Vergangenheit – Hypothekenkrise, Bankenkrise, Wirtschaftskrise, und jetzt haben wir sehr deutlich auch noch eine Krise der Staatsfinanzen – machen schon deutlich, dass wir bereits länger eine Schieflage haben. Menschen, die sich in der Vergangenheit noch relativ sicher gefühlt haben, sind wegen massiver Veränderungen im Arbeitsmarkt von Präkarisierung bedroht.
Sozial Schwache haben derzeit den Eindruck, dass vor allem sie die Exzesse der Finanzwirtschaft und das Versagen der Staaten ausbaden müssen.
Diejenigen, die am wenigsten an dem Dilemma geschraubt haben, werden jetzt zur Kasse gebeten, der Eindruck ist tatsächlich entstanden. Und wir wissen im Grunde auch, dass die Schere zwischen Arm und Reich gerade in der Bundesrepublik weiter aufgeht. Die Menschen haben den Eindruck, dass sie in ihren Lebensmöglichkeiten eingeschränkt werden und am wenigsten dafür können. Armut ist nicht nur ein monetäres Problem. Sie hat auch mit Möglichkeiten der Teilhabe zu tun, mit Partizipation am Gesundheitswesen, an Kultur und Bildung. 

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„Anerkennung – das ist für mich der eigentliche Lohn“

Matthias Beneke, 39, über seine Arbeit als HEMPELS-Verkäufer in Lübeck

Ein geregelter Tagesablauf, Stammkunden, die immer mal vorbeischauen und fragen, wie es mir geht – HEMPELS ist für mich das Nonplusultra. Ich verkaufe in Lübeck in der Königstraße vor Weiland, und seit ich das tue, hat mein Leben wieder eine Struktur. Das gibt mir das Gefühl, Teil der Gesellschaft zu sein.
Davor war es schwierig. Drogen, Alkohol und die Familie, die darüber kaputt ging – das hat mich auf die Straße gebracht. Reingerutscht bin ich da allmählich. Ich bin hier in Lübeck bei meinem Vater aufgewachsen. Meine Mutter hat es mit ihm nicht ausgehalten, sie ist gegangen. Auch mein Verhältnis zum Vater war nicht gut, später habe ich den Kontakt zu ihm abgebrochen.

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Die ganzen Texte sind im aktuellen Juji-Heft zu lesen. Das Heft kann bei unseren landesweit mehr als 100 Verkäufer/innen erworben werden.