„Ich will kein schlechtes Vorbild sein“01.05.10

Von: Karin Lubowski

Foto: Karin Lubowski

Lübeck: Marc Pfannenschmidt, 44, über einen großen Traum und seine Vaterrolle

Eigentlich gehts mir wieder ganz gut. Das habe ich HEMPELS zu verdanken. Seit März 2009 verkaufe ich das Magazin in Lübeck, meistens an der Königstraße, manchmal stehe ich auch Breite Straße Ecke Dr.-Julius-Leber-Straße. Zu meinen Stammkunden gehören viele liebenswerte Damen. Man begrüsst mich, hält ein Schwätzchen – das sind Kontakte, die tun wirklich gut und die habe ich lange vermisst. Mein Traum? Ich bin gelernter Schiffsmechaniker und würde wahnsinnig gerne wieder zur See fahren. Das habe ich 20 Jahre gemacht und ich habe es geliebt. Denn mit 16 hatte ich keine Lust mehr auf Schule und bin als Deckshelfer auf ein Schiff gegangen. Seefahrt hat bei den Männern in meiner Familie Tradition. Ich bin dann allerdings noch einmal zurückgekommen, weil ich gemerkt hatte, dass ein Arbeitsleben ohne vernünftigen Abschluss nichts wird. Also habe ich meinen Realschulabschluss und dann die Ausbildung gemacht. Mein erster fremder Hafen war Aarhus, das weiß ich noch wie heute; mein letzter war Singapur. Dann bin ich am Alkohol gescheitert. Getrunken habe ich aus reiner Genusssucht. Man redet sich ja lange ein, dass man alles unter Kontrolle hat. Vor neun Jahren war mir klar, dass ich ein Problem damit habe. Bei einer Kontrolluntersuchung fragte ich den Arzt um Rat und Hilfe – und war meinen Job los. Der Arzt hatte mich für seeuntauglich er-klärt. Von einem Tag auf den anderen war mir der Boden unter den Füssen weggezogen, das war wie ein Schlag ins Gesicht. Jetzt bin ich seit drei Jahren trocken. Aber mit einem Job als Schiffsmechaniker wird es wohl nichts mehr. Zuerst hat mich das in eine schlimme Depression gerissen. Ich hatte kaum noch soziale Kontakte. HEMPELS hat mich da wieder herausgeholt. Seitdem habe ich eine Katze, „Mimosa“ – und ein paar Fische. Das Aquarium war ein Geschenk.