Letzte Bastion01.05.10
Ja, der Fußball! Verachtet mir den Fußball nicht! In den vergangenen Wochen hat er sich wieder als die letzte Bastion des Anstands und der Moral erwiesen. Überall verkommen die menschlichen Werte. Die Kirche, die sich doch als Hüter der Unschuld und Überwinder der niederen Triebe fühlte, ist selber zum Sündenpfuhl geworden. An wen sollen wir uns noch halten? Wer gibt uns noch ein Beispiel für Gerechtigkeit und sittliche Gesinnung? Na er doch! Er, der Fußball! Da wirft einer im Zorn mit einer wassergefüllten Plastikflasche auf einen Zuschauer. Schon schreit die ganze Nation auf: Gewalt! Das ist Gewalt! Der Mann müsste ins Gefängnis. Ja, richtig so. Im Fußball fackeln sie nicht lange, da wird nicht geschwiegen und vertuscht. Nein, da werden die Täter nicht nur an den Pranger gestellt, sondern auch sofort bestraft. Da zeigt vor Jahren Stefan Effenberg den deutschen Fans den Stinkefinger. Weg mit ihm! Hausarrest! Da fährt Kevin Kurany einfach beleidigt nach Hause, weil der Trainer ihn vom Feld genommen hat: Verbannung! Nie wieder Nationalelf! Auch schwer Erziehbaren wie einem gewissen Jens Lehmann wird in der Erziehungsanstalt solange immer wieder Buße auferlegt, bis er endlich freiwillig zurücktritt. Denn der Fußball ist in dieser Zeit zur moralischen Anstalt geworden, zur letzten Hüterin der Gerechtigkeit. Und das Größte: Alle diese Fußball-Verbrecher schlagen sich hinterher schuldbewusst an die Brust: „Ja, ich habe gesündigt. Ja, es tut mir so leid. Nein, ich will es auch nie wieder tun!“ Da kannste was lernen, Bischof Mixa!


