Schreibwerkstatt JVA Lübeck

In der Schreibwerkstatt in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Lübeck lernen Langzeitgefangene in sehr persönlichen Texten ihre Gedanken und Emotionen zu selbst gestellten Themen auszudrücken. Ziel ist die Veröffentlichung in HEMPELS. Wir stellen die herausgegebenen Texte auch auf unsere Website.

Mit der Schreibwerkstatt in der JVA Lübeck hat HEMPELS im Frühsommer 2011 ein einmaliges Projekt initiiert. Hier verbüßen etwa 440 Männer und separat rund 40 Frauen als Langzeit-Gefangene ihre Strafen. Die Männer sind wegen Mordes oder Totschlags Verurteilte, dazu kommen Räuber, Drogendealer und Betrüger.

Freitagnachmittags treffen sich einige von ihnen alle zwei Wochen zur HEMPELS-Schreibwerkstatt. Sie kommen freiwillig, einige kannten sich bereits vorher aus dem Knastalltag. Unter Anleitung von dem Journalisten und HEMPELS-Redaktionsleiter Peter Brandhorst sollen sie sich eigene Themen suchen, sollen über ihre Gedanken und Gefühle dazu sprechen und diese später auf ihrer Zelle schriftlich ausformulieren. Keiner hatte zuvor in seinem Leben eigene Texte geschrieben, alle haben bisher höchstens im Zusammenhang mit einer Straftat schon einmal über sich in einer Zeitung lesen können.

Mittlerweile sind etliche Geschichten geschrieben worden; es sind Texte entstanden, die auch ein wenig einen Vorhang heben und Blicke erlauben, die so sonst kaum möglich wären. Keine Zeile wird eine Lebensgeschichte rückgängig machen können, doch jeder fertige Text kann den Schreibern kleine Erfolgserlebnisse auf dem Weg zurück in die Freiheit verschaffen. Damit ist die Schreibwerkstatt auch ein Projekt, das die Resozialisierung fördert. Finanziert wird das Projekt durch die Justizvollzugsanstalt, Hempels bringt einen 20-prozentigen Eigenanteil ein.

 

In unregelmäßigen Abständen werden wir weitere Texte im Straßenmagazin und auf unserer Website veröffentlichen.

Ingeborg-Drewitz-Literaturpreis für Gefangene

Im Januar 2015 ist die Schreibwerkstatt mit dem Sonderpreis „Ingeborg-Drewitz-Literaturpreis für Gefangene" ausgezeichnet worden. Die Auszeichnung soll Gefangene ermutigen, sich mit authentischen Texten zu sie selbst betreffenden Themen auseinanderzusetzen. Mit dem Sonderpreis werden die Arbeit unserer Schreibwerkstatt und die regelmäßige Veröffentlichung von Gefangenentexten gewürdigt. Benannt ist der Preis nach der 1986 verstorbenen deutschen Schriftstellerin Ingeborg Drewitz, die sich nachdrücklich für die Belange von Inhaftierten eingesetzt hat.

 

HEMPELS-Schreibwerkstatt bei bundesweiter Fachtagung

Projekte, die im deutschen Justizvollzugsalltag in ungewöhnlicher Weise dem Ziel derResozialisierung von Strafgefangenen dienen, standen jetzt bei einer bundesweiten Fachtagung in Göttingen im Juni 2016im Mittelpunkt. Zu den zwölf eingeladenen Projekten aus 14 Bundesländern gehörte auch die seit fünf Jahren von JVA Lübeck und Straßenmagazin HEMPELS gemeinsam verantwortete Schreibwerkstatt für Langzeitgefangene.

Vollzugsabteilungsleiterin Gabi Holländer aus der JVA Lübeck und HEMPELS-Redaktionsleiter Peter Brandhorst hoben bei dem zweitägigen Treffen die Bedeutung der Schreibwerkstatt für die teilnehmenden Gefangenen hervor, sich schreibend mit eigenen Emotionen auseinanderzusetzen.

Lediglich in sieben Prozent bundesdeutscher Haftanstalten existieren Schreibwerkstätten, Lübeck ist die einzige, deren Ergebnisse durch Veröffentlichungen in HEMPELS regelmäßig auch der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Mit der von der Führungsakademie im Bildungsinstitut des niedersächsischen Justizvollzugs organisierten Tagung wurde die Bedeutung von Resozialisierung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe insgesamt hervorgehoben.