Dubioses neues Straßenmagazin erregt Besorgnis21.04.16

Foto: Hinz&Kunzt /Ausschnitt

In Hamburg und im südlichen Schleswig-Holstein wird seit einigen Tagen ein neues Straßenmagazin verkauft. Es kommt bereits zu ersten Problemen mit alteingesessenen Verkäufern. HEMPELS und Hinz&Kunzt sind besorgt – auch wegen der dubiosen Praktiken.

Seit Anfang April wird das Straßenmagazin „Straße Journal“ überwiegend auf Hamburger Straßen, aber auch vereinzelt in Schleswig-Holstein angeboten. Seine Herausgeber stammen wohl aus Rotterdam und sind mit dem Verein „Straßen-Journal Deutschland“ in Hamburg registriert.

„Ich erwarte, dass die Verkaufsplätze der Hinz&Künztler respektiert werden“, sagt Hinz&Kunzt-Chefredakteurin Birgit Müller. Aber schon in den ersten Verkaufstagen kam es zu Schwierigkeiten zwischen konkurrierenden Verkäufern. Die Verkäufer des seit 23 Jahren in Hamburg etablierten Magazins Hinz&Kunzt seien sogar bedroht worden.

Unter Straßenzeitungen ist ein Gebietsschutz üblich. Schon 1995 entstand ein freiwilliges Abkommen, nachdem Straßenzeitungen nicht mit schon bestehenden Zeitungsprojekten in Konkurrenz treten. Diese Verpflichtung gilt noch heute als Ehrenkodex unter den derzeit 27 deutschsprachigen Straßenmagazinen, die Mitglied im weltweiten Netzwerk INSP (International Network of Street Papers) sind. “Wir arbeiten auf allen Ebenen gut zusammen, international und im deutschsprachigen Netzwerk”, sagt HEMPELS-Geschäftsführer Reinhard Böttner. Auch die Zusammenarbeit der nördlichen Magazine mit HEMPELS in Schleswig-Holstein, Die Jerusalëmmer in Neumünster, Hintz&Kuntz in Hamburg und Asphalt in Hannover sei freundschaftlich und respektvoll.

Man teile bei HEMPELS die Befürchtung, dass alteingesessene Verkäufer von ihren Plätzen verdrängt werden könnten. “Es würden dann diejenigen auf der Strecke bleiben, die sich nicht wehren können”, sagt Böttner. Streitereien an Verkaufsplätzen könnten dazu führen, dass diese Plätze gefährdet würden. Flächen, die heute beispielsweise von Handelsunternehmen noch großzügig zur Nutzung freigegeben werden, würden entfallen.

Das neue Magazin enthält zudem aus dem Internet kopierte Texte sowie ohne Erlaubnis nachgedruckte Artikel aus dem Hamburger Abendblatt. Das Abendblatt will Anzeige erstatten. “Uns steht es nicht zu, über Urheberrechtsverletzungen anderer zu urteilen”, so Böttner. Doch die Gefahr bestehe, dass insgesamt die Qualität von Straßenzeitungen in Verruf gerate. Hinz&Kunzt sowie HEMPELS arbeiten mit professionellen Redakteuren, andere Straßenzeitungen drucken Texte von Obdachlosen – alles authentische Texte.

"Es darf auf keinen Fall dazu kommen, dass unsere Straßenverkäufer verdrängt werden oder dass unsere Projekte Schaden nehmen”, sind sich Böttner und Müller einig. In Hamburg hat man sich daher bereits an die Behörden gewandt.

Text: Hilke Ohrt