HEMPELS Verkäufer im Café

Kiel: Der Wohnungslosenhilfe droht drastische Verschlechterung

HEMPELS befürchtet eine drastische Verschlechterung der Wohnungslosenhilfe in der Landeshauptstadt Kiel und in der Folge auch in weiteren Kommunen des Landes. In der April-Ausgabe des Straßenmagazins wird über die Pläne der Stadt berichtet.

Eine drastische Verschlechterung der Wohnungslosenhilfe befürchtet das soziale Straßenmagazin HEMPELS künftig in der Landeshauptstadt Kiel und in der Folge auch in weiteren Kommunen des Landes. Wie in der am 31. März erscheinenden April-Ausgabe berichtet wird, könnten künftig ganze Personengruppen keinen Anspruch mehr auf helfende Unterstützung haben. Anlass ist eine Vorlage, mit der die Stadt Ende Februar im Sozialausschuss eine geplante Neuausrichtung des Hilfesystems vorgestellt hat und die HEMPELS vorliegt.

Demnach will die Stadt Kiel einerseits zwar die Prävention stärken, um Wohnungsverlust bereits im Vorfeld zu vermeiden. Zugleich sollen jedoch wohnungs- und obdachlose Personen, die nicht als "Kieler Bürger/Bürgerin" gelten, das Hilfesystem nicht mehr in Anspruch nehmen können. Ihnen sollen künftig lediglich eine Fahrkarte und "ggf. Unterbringung in Schlichtwohnraum für eine Nacht" angeboten werden.

HEMPELS-Vorstand Jo Tein bezeichnet die städtischen Pläne als "erschreckend und fern der Lebensrealität von Obdachlosen". Viele Obdachlose besäßen schon lange kein festes Zuhause mehr und wanderten aus vielerlei Gründen aus ihrer ursprünglichen Heimatkommune in andere Regionen. Es dürfe nicht unterschieden werden zwischen Einheimischen oder Ortsfremden, Kommunen seien verpflichtet, jeder wohnungslosen Person zu helfen. Sollten Kiels Pläne Realität werden, befürchtet Tein eine Abwärtsspirale: "Andere Kommunen sehen sich dann gezwungen, ihre Leistungen auch zurückzuschrauben."

Bei der in Berlin ansässigen Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) bezeichnet Geschäftsführer Thomas Specht die Kieler Pläne als "komplett rechtswidrig ohne Wenn und Aber". Man wisse von keiner anderen Kommune in Deutschland, die auf ähnlich "dreiste Art und Weise" gegen Obdachlose vorgehe.

Laut stadt.mission.mensch leben in Kiel derzeit gut 600 wohnungslose Menschen. Die Zahl hat sich in den vergangenen fünf Jahren um 50 Prozent erhöht. 280 finden Unterschlupf bei Bekannten, 40 schlafen auf der Straße. Die anderen  leben in öffentlicher Unterbringung im Bodelschwinghhaus oder in Pensionen. 72 Prozent der in Kiel lebenden Wohnungslosen galten 2016 als "ortsansässig".

Text: HEMPELS

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