Wann im Mietshaus musiziert werden darf01.04.16

Nun ja, welche Musik gefällt, war schon immer eine Frage des persönlichen Geschmacks. Immer wieder taucht im Mehrfamilienhaus deshalb die Frage auf: Darf musiziert werden? Und wenn ja, wann? Selbstverständlich ist nicht nur Fernsehen, das Radio- oder CD-Hören erlaubt, sondern auch die „handgemachte“ Musik.

Enthält der Mietvertrag dazu keine konkrete Regelung, dürfen Sie nach Auffassung der Gerichte im Allgemeinen außerhalb der Ruhezeiten zwei bis drei Stunden pro Tag spielen. Sie dürfen üben – es kommt also nicht auf die Qualität Ihrer Kunst an –  oder hochwertige Musik spielen. Auch letztere kann als störend empfunden werden, urteilte beispielsweise das Landgericht Düsseldorf.

Sie dürfen Blockflöte, Klavier oder Posaune spielen. Das alles geht aber nur mit Rücksicht auf die Nachbarn. 

Von Bedeutung ist aber doch auch das Instrument: Akkordeon 1,5 Stunden (LG Kleve 6 S 70/790);  Klarinette und Saxophon 2 Stunden bzw. Sonntags 1 Stunde (OLG Karlsruhe 6 U 30/87); Schlagzeug Montags bis Sonnabends  45 - 90 Min. täglich (LG Nürnberg-Fürth 13 S 5296/90); Klavier max. 3 Stunden, am Wochenende weniger (BayObLG 2 Z BR 55/95).

Schwieriger wird es, wenn Berufsmusiker sich Hausmusik und Musikunterricht im Mietvertrag haben erlauben lassen. Die Spanne der Stunden ist so unterschiedlich wie einzelne Richter: Sie geht von mehreren Stunden in der Tageszeit bis zur Absenkung  des Umfangs am Abend oder der deutlichen Kürzung am Wochenende. Aber ohne vertragliche Vereinbarung müssen sich auch Berufsmusiker an die Spielzeit von 2 bis 3 Stunden halten (BGH VIII ZR 165/08).

Im Übrigen gilt die allgemeine Ruhezeit, in der Regel mittags von 13 - 15 Uhr und abends bis 7 Uhr am nächsten Morgen. Auch wenn uns keine gesetzliche Vorschrift bindet oder Hausordnung aushängt, halten wir uns doch an unsere Traditionen – oder?!