HEMPELS 206 / Juni 2013
„Obdachlose sind meine Helden“
Sänger Xavier Naidoo im Exklusiv-Interview für deutsche Straßenzeitungen
Spätestens seit dem WM-Hit „Dieser Weg“ und dem TV-Talentwettbewerb „The Voice of Germany“ kennt ihn (fast) jeder: Xavier Naidoo. Im Mai hat der in Mannheim geborene Sänger sein neues Album „Bei Meiner Seele“ herausgebracht. Dazu gibt Naidoo ein einziges Exklusiv-Interview – den deutschsprachigen Straßenzeitungen.
Hier in Mannheim heißt die Straßenzeitung „Trott-war“. Haben Sie schon mal eine gekauft?
Ich kaufe immer Straßenzeitungen. Ich habe auch schon mal welche in Sprachen gekauft, die ich gar nicht verstehe.
Wer aus Ihrem Team hatte die Idee für den PR-Gag, ein Interview nur für Straßenzeitungen?
Das ist kein PR-Gag. Wenn es nach mir geht, würde ich am liebsten gar nicht übers Album reden. Es ist mühselig, über die Kunst, die man macht, noch zu sprechen. Ist ja eigentlich immer alles gesagt. Dann hat meine Mitarbeiterin gesagt, vielleicht hast du doch Lust, für die Obdachlosen … Da habe ich sofort okay gesagt.
Kennenlernen im Schnelldurchlauf
Events wie Running Dinner – Essen mit zuvor Unbekannten – versprechen jungen Menschen, in kurzer Zeit neue Freunde kennenzulernen. Was sagt das eigentlich über unsere Gesellschaft aus?
Schnell noch den Tisch gedeckt und die Lasagne in den Ofen geschoben, dann klingelt es auch schon an der Tür. 20 Uhr. Vier fremde Menschen stehen vor Sebastian Heiers Wohnungstür. Alle begrüßen sich freudig, schließlich werden sie die nächsten zwei Stunden gemeinsam verbringen. Die Erwartungen der Einzelnen sind dabei ganz unterschiedlich: Spaß haben, mal was anderes erleben, neue Leute kennenlernen – manche hoffen insgeheim wohl auch, langfristig neue Freunde zu finden. So auch Sebastian Heier. Der 27-jährige Lehramtsstudent aus Kiel nimmt an diesem Abend mit seinem WG-Mitbewohner am Running Dinner teil. Die Idee: Ein Drei-Gänge-Menü, verteilt über die eigene Stadt. Wer keine Lust mehr habe, immer nur alleine oder mit altbekannten Freunden zu kochen, der könne auf diese Weise neue Leute kennenlernen, heißt es auf Websites von Running Dinner-Plattformen wie Rudirockt. Immer zwei Personen kochen als Team einen Gang des Menüs. Später am Abend ist dieses Team wiederum zu Gast bei (noch) Unbekannten. In jeder Küche treffen sich somit stets sechs Personen – zwei, die kochen, dazu vier Gäste.
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Viele Momente der Überraschung
Die Deutsche Meisterschaft der Straßenfußballer bietet am 7. und 8. Juni in Lübeck ungewöhnliche Einblicke
Es ist wieder soweit, die Deutsche Meisterschaft (DM) der Straßenfußballer geht in die nächste Runde. Am 7. und 8. Juni, Freitag und Samstag, treten in Lübeck 24 Mannschaften an, unter ihnen auch mehrere aus Schleswig-Holstein. Bei den Kickern handelt es sich um wohnungslose oder suchtkranke Menschen, andere sind Asylbewerber. Für alle gilt: Ihre jeweiligen Teams werden von Straßenzeitungen sowie sozialen Einrichtungen koordiniert. Die Meisterschaft wird in Turnierform ausgespielt und findet auf dem Rathausmarkt in der Lübecker Innenstadt statt. Am Freitag wird auf dem Kleinfeld ab 10:30 bis 19 Uhr gespielt, am Samstag ab 9:45 Uhr. Jedes Match dauert zweimal sieben Minuten. Die Siegerehrung findet gegen 19 Uhr statt. Für Zuschauer – der Eintritt ist frei – wird eine Tribüne errichtet.
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„In der Fachambulanz hat es bei mir Klick gemacht“
Verkäufer Patrick Blome, 31, aus Kiel hat sein Leben um 180 Grad gedreht
Regelmäßige Leser werden sich vielleicht erinnern: Vor knapp einem Jahr saß ich schon einmal hier auf dem Sofa und habe aus meinem Leben erzählt. Dass ich das jetzt erneut tue, hat einen einfachen Grund. Mein Leben hat sich um 180 Grad gedreht, viele Dinge haben sich richtig positiv entwickelt und geben mir große Hoffnung für die Zukunft. In der Vergangenheit hatte bei mir vieles mit Drogen und Sucht zu tun. Mit 14 habe ich das erste Mal Haschisch und Ecstasy konsumiert, mit 17 kamen die ganz harten Sachen Heroin und Kokain hinzu. Heute denke ich, diese Drogen deshalb genommen zu haben, weil ich keinen anderen Ausweg fand aus meinen Ich-bin-allein-Gedanken. Denn meine Kindheit war, um es zurückhaltend zu formulieren, nicht schön.
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