HEMPELS Strassenmagazin

Schweben im Schritttempo

Vor fünf Jahren erkrankte Heinz Kautzky an Multipler Sklerose. Inzwischen hat der Flensburger einen ungewöhnlichen Weg gefunden, um mit der Erkrankung des zentralen Nervensystems umzugehen – er reitet

 

Heinz Kautzky hat Moorrüben und einen Motorradhelm mitgebracht. Die Moorrüben sind später für Louis, den Helm setzt Kautzky sich auf. Früher ist der heute 59-Jährige gerne Motorrad gefahren, seit er an Multipler Sklerose (MS) erkrankt ist, geht das nicht mehr. Jetzt schützt ihn der Helm, wenn er auf Louis sitzt, einem Therapiepferd. Er wollte nicht extra einen Reithelm kaufen, erklärt er: »Und ein Motorradhelm sieht auch nicht so komisch aus.«

 

Ein Nachmittag in einem Reitstall in Handewitt. Jeden Donnerstag nimmt der aus Flensburg angereiste Kautzky Platz auf dem Rücken von Louis. Denn er will sich trotz der Erkrankung nicht unterkriegen lassen. Kautzky hat einen nicht alltäglichen Weg gewählt, mit ihr umgehen zu können: Er macht im Reitstall der Physiotherapeutin Jutta Pfeiffer eine Hippotherapie.

 

Bereits seit 1990 bietet die 55-jährige Pfeiffer solche Hippotherapien an. Bewegungen eines Pferdes übertragen sich dabei auf den Körper des Patienten und unterstützen die krankengymnastische Behandlung. »Der Reiter muss auf die vom Pferd ausgehenden Impulse reagieren«, sagt die Therapeutin. Das trainiere seine Muskulatur.

 

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Foto: Peter Werner

 

 

 

 

Die Puppenspielerin von Garding

Marianne Vocke stand früher als Opernsängerin auf der Bühne. Jetzt betreibt sie ein kleines Puppentheater und lehrt dabei Toleranz und Humanismus

 

Der Besuch in Marianne Vockes Puppenhäuschen beginnt an diesem Tag mit einem Kopfstoß. »Kommen Sie rein, aber passen Sie auf«, hatte Vocke noch aus dem Haus heraus nach draußen gerufen. Und drinnen läuft der Fotograf als Erstes nun doch mit dem Kopf gegen den nächsten Türbalken. »Willkommen in meiner Welt«, lacht Vocke, einer Welt wie in einem Puppenhäuschen mit gerade einmal 165 Zentimeter hohen Türen, in der nur besonders klein gewachsene Menschen wie Marianne Vocke aufrecht umherlaufen können, ohne gleich körperlich Schaden zu nehmen.

 

Eine schmale Seitenstraße in Garding auf der nordfriesischen Halbinsel Eiderstedt, seit Mitte der 1990er Jahre ist Vocke dort zu Hause. Und wenn man ihr Wohnhaus, das zugleich Arbeitsplatz ist, als Puppenhäuschen bezeichnet, dann tut man der Hausherrin keineswegs unrecht: Überall lagern selbst gebaute Stangenpuppen, insgesamt mehr als 200, in jeder Ecke liegen halb oder bereits fertig geschneiderte Puppenkleider herum. Vieles davon so prachtvoll gestaltet, dass selbst Fotografen schon mal den Blick für das Drumherum verlieren können.

 

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Foto: Peter Werner

 

 

 

 

Gefangenenspeisung

Der Kirchenkreis Altholstein ermöglicht in der Demokratischen Republik Kongo ein ungewöhnliches Projekt: Frauen einer Kirchengemeinde kochen für Inhaftierte, die sonst vom Hungertod bedroht wären

 

Sie treffen sich jede Woche im Hof einer Kirche in Lubumbashi, einer Stadt im Süden der Demokratischen Republik Kongo: Mehrere Frauen bereiten dann in großen Töpfen Essen zu, das eine besondere Bestimmung hat. Denn die Frauen – Mitglieder der örtlichen evangelisch lutherischen Kirche – kochen für Insassen eines Gefängnisses, die ohne diese Unterstützung verhungern könnten. Weil es der Stadt an Geldern mangelt, um die Gefangenen ausreichend mit Lebensmitteln zu versorgen, haben die Frauen aus der Kirchengemeinde in privater Initiative diese Aufgabe übernommen. Jede Woche teilen sie im Gefängnis bis zu tausend Mahlzeiten aus.

 

Möglich geworden ist dieses besondere Projekt nur mit Hilfe aus Schleswig-Holstein. Der Kirchenkreis Altholstein sowie der Kirchliche Entwicklungsdienst der Nordkirche unterstützen die Gefangenenspeisungen mit jeweils 5500 Euro im Jahr. Seit 25 Jahren besteht eine Partnerschaft des Kirchenkreises mit der evangelisch-lutherischen Kirche im Kongo. Bei einem Besuch in Neumünster hat Solange Yumba wa Nkulu, Pastorin aus Lubumbashi, kürzlich darüber berichtet.

 

»Wir kochen schweres Essen«, erzählt Yumba wa Nkulu, »es geht darum, dass die Menschen satt werden.« Meist werden getrocknete Bohnen eineinhalb Tage lang zu einer Soße eingekocht, außerdem bereiten die Frauen Klöße aus Maisbrei zu.

 

Diesen und andere Artikel können Sie in der September-Ausgabe der HEMPELS lesen.

 

Foto: Karsten Leng