HEMPELS Strassenmagazin

Geschenkte Stunden

Sterben ist der intimste Augenblick eines Lebens, jemanden dabei zu begleiten heißt auch, schweigen zu lernen. Eine Begegnung mit einer jungen Frau, die Menschen in der letzten Phase ihres Lebens als ehrenamtliche Sterbebegleiterin Zeit und Aufmerksamkeit schenkt.

 

»Sterbende sind anders – sie sind echt«, sagt Tanja Robnitzki, »sie sehen das Leben mit anderen Augen.« Weil ihnen das Ende bewusst sei, verdichte sich ihre Lebenszeit. »Der Augenblick wird kostbar – und für ihn sind sie dankbar.« Tanja Robnitzki aus Groß Kummerfeld bei Neumünster spricht aus Erfahrung. Die 35-Jährige begleitet in ihrer Freizeit Menschen, die sich in der letzten Lebensphase befinden.

 

Wenn Menschen sich neben ihrer hauptberuflichen Aufgabe sozial engagieren, dann häufig auch deshalb, weil sie andere Aspekte des Lebens erfahren und dort ganz praktisch helfen wollen. Robnitzki geht es nicht um Abwechslung oder eine praktisch-sinnstiftende Aufgabe – dafür bräuchte sie kein Ehrenamt. Sie war schließlich 13 Jahre Altenpflegehelferin, heute ist sie hauptberuflich Pflegeberaterin. Trotzdem engagiert sie sich auch nach Feierabend. Sie ist ehrenamtliche Sterbebegleiterin bei der Hospiz-Initiative Neumünster.

 

Foto: Heidi Krautwald

 

Diesen Artikel können Sie in der November-Ausgabe von HEMPELS lesen.

 

 

 

 

 

Einfach leben

Carina Deter und Haye Bonn haben sich in Südtondern ein kleines Wohnhaus auf Rädern gebaut. Es ist auch der bewusste Verzicht auf ein Leben im Überfluss.

 

Einen Moment lang scheinen Carina Deter und Haye Bonn jetzt doch irritiert zu sein. Mit strahlenden Augen hatten sie dem Reporterbesuch zuvor ihr Zuhause gezeigt, hatten dabei kleinste Stauräume geöffnet und von ihrem bewussten Verzicht auf ein Leben im Überfluss gesprochen, als plötzlich diese Frage im Raum steht. »Wie lange wir so wohnen wollen?«, wiederholt die 24-jährige Deter ganz langsam, genauso gut hätte man wohl fragen können, ob hier oben im Norden nachts keine Sonne scheint. »Ist doch klar, die Antwort«, sagt Deter schließlich, »hoffentlich noch in zwanzig oder dreißig Jahren werden wir so leben.«

 

Eine gepachtete Wiese neben einem Resthof irgendwo am Rand eines kleinen Dorfs in Südtondern. Seit gut einem Jahr leben Deter und ihr 29 Jahre alter Lebensgefährte Bonn dort in einem selbst gebauten Minihaus auf Rädern. »Tiny house«, winziges Haus, nennt sich diese auf die allernötigsten Bedürfnisse abgestimmte Wohnform, die aus den USA stammt und seit ein paar Jahren auch in Deutschland immer mehr Befürworter findet. Die Bewegung darf auch als Antwort verstanden werden auf die Frage, wie angesichts überall steigender Mietpreise künftig gewohnt werden kann. Menschen mit weniger Geld können sich mit einem Tiny-Haus eigenen Wohnraum schaffen.

 

Foto: Heidi Krautwald

 

Weiterlesen können Sie diesen Artikel in der neuen HEMPELS, erhältlich beim Straßenverkaufenden Ihres Vertrauens.

 

 

 

 

 

Verrückt nach Fußball

Eine Mannschaft nur aus Geflüchteten hat vergangenen Sommer mit 102:24 Toren den Aufstieg in die A-Klasse geschafft. Wir haben das ungewöhnliche Team in Lütjenburg besucht.

 

Wolfgang Hoffmann rennt aus der Umkleide- in die Schiedsrichterkabine. Dann weiter Richtung Sportplatz. Der 66-Jährige hat keine Zeit, Anstoß ist in einer Stunde. Hoffmann ist Fußballtrainer in Lütjenburg – und sein Team hat an diesem Tag ein Punktspiel. Eine kurze Umarmung mit der Würstchenverkäuferin, dann muss Hoffmann weiter. Er wird an diesem Tag noch viele Menschen begrüßen – sie stets umarmen, nie nur die Hand schütteln – und viele Meter im Laufschritt machen. Gehen ist nicht sein Tempo. Und sitzen wird er erst wieder, wenn er nach dem Spiel in sein Auto steigt. »Fußballverrückt« ist eine abgedroschene Floskel – bei Hoffmann trifft sie zu. »Ich bin bekloppt«, sagt er – und rennt weiter.

 

Seine Mannschaft wurde im vergangenen Sommer Meister in der untersten Liga des Kreises Plön und stieg von der B- in die A-Klasse auf. Alle Spieler sind Geflüchtete. Sie mussten ihre Heimat verlassen und haben in und um Lütjenburg eine neue gefunden. Aus sechs Nationen stammen die Spieler – aus Afghanistan, Aserbaidschan, Eritrea, dem Iran, dem Irak und Syrien.

 

Foto: Peter Werner

 

Diesen und andere Artikel können Sie in der November-Ausgabe der HEMPELS lesen.