HEMPELS Strassenmagazin

Nischensuche

Die engagierte Gewerkschafterin Christel Pieper hat Power und sich einer ungewöhnlichen Aufgabe verschrieben: Sie zeigt anderen Menschen, was es bedeutet obdachlos auf der Straße leben zu müssen. Wir haben sie mit einem HEMPELS-Verkäufer begleitet, der früher selbst obdachlos war

 

»In der Nische dort, da kann man übernachten«, sagt Chris und zeigt auf eine Lücke zwischen zwei Gebäuden. Der 31-jährige HEMPELS-Verkäufer lebte früher selbst auf der Straße. Jetzt nimmt er an einer ungewöhnlichen Stadtführung teil: Christel Pieper, 68 Jahre alt und gesellschaftlich engagiert, will anderen Menschen das Leben von Obdachlosen und die damit verbundenen Herausforderungen verdeutlichen.

 

Seit 2005 führt die Kielerin Pieper Menschen durch ihre Heimatstadt; früher zusammen mit HG. HG sind die Initialen des Vornamens Hans-Georg. Hans-Georg Pott, wie er mit vollem Namen hieß, war ebenfalls HEMPELSVerkäufer und engagierte sich als einer unserer Menschen der ersten Stunde auch in der Politik des Trägervereins. HG war viele Jahre obdachlos. Seit er 2008 im Alter von nur 52 Jahren starb, fügt Pieper ihren Ausführungen bei den Stadtführungen häufig ein Was-er-gesagt-hätte hinzu; wie HG wohl seine Situation auf der Straße beschrieben hätte. Und wenn sie das tut, dann folgt auf die Erwähnung seines Namens fast immer ein Zusatz: »HG, ein guter Freund.«

 

Foto: Heidi Krautwald

 

Den ganzen Bericht finden Sie ab Montag (1.10.) in der Oktober-Ausgabe Ihrer HEMPELS

 

 

 

 

 

Der Geist der Aufständischen

1918, vor genau Hundert Jahren, verbündeten sich Arbeiter und Soldaten im Kieler Gewerkschaftshaus zu einem Rat und lieferten einen entscheidenden Impuls für die Novemberrevolution. Was das bis heute mit unserem Alltag zu tun hat? Ein Besuch an einem historischen Ort


»Bevor ich nach Kiel kam, wusste ich über die Stadt nur: Hier war 1918 der Aufstand, hier begann die Revolution«, sagt Frank Hornschu. Der 57-Jährige arbeitete als Schornsteinfeger und Arbeitnehmervertreter in Nordrhein-Westfalen, 1999 wechselte er als Gewerkschaftsfunktionär nach Kiel. Sein neuer Arbeitsplatz wurde das Gewerkschaftshaus in der Legienstraße; ein Büro im selben Haus, in dem die Novemberrevolution einen Ursprung hatte. »Als ich das hörte, stand für mich fest: Das mache ich«, so Hornschu heute.


Eine Gedenktafel an der Fassade des Gewerkschaftshauses erinnert an die Ereignisse von 1918. Trotzdem wirkt der Klinkerbau von außen nicht wie das, was er ist: ein zentraler Ort für die Geschichte der Demokratie in Deutschland. 1918 tagte hier, nur ein Stockwerk unter Frank Hornschus heutigem Büro, ein revolutionärer Arbeiter- und Soldatenrat. Vorausgegangen war, dass deutsche Matrosen während des Ersten Weltkriegs im Oktober 1918 den Befehl verweigerten, gegen die britische Flotte auszulaufen. In Kiel schlossen sich am 3. November die Matrosen mit Arbeiterinnen und Arbeitern etwa aus der Rüstungsindustrie zusammen, die bereits einen Streik zugunsten eines Friedensschlusses planten. Ihrer gemeinsamen Demonstration folgten Aufstände in verschiedenen deutschen Städten, und diese führten zur Revolution: Der Kaiser floh, die Monarchie war am Ende.


Foto: Peter Werner


Was der Matrosenaufstand und die Novemberrevolution von 1918 dem Gewerkschafter Frank Hornschu einhundert Jahre später noch bedeuten, lesen Sie in der neuen HEMPELS – erhältlich beim Straßenverkaufenden Ihres Vertrauens

 

 

 

 

 

Vorbereitet

Gasmasken gegen den Atomkrieg, Überleben nach dem Zusammenbruch der Ordnung – sogenannte Prepper rüsten sich für mögliche Katastrophen und finden immer mehr Zulauf. Ein Gespräch mit dem Sozialwissenschaftler Mischa Luy von der Ruhr-Uni Bochum, der die Szene erforscht


Wie sieht der Tag aus, auf den sich Prepper vorbereiten?


Das ist ganz unterschiedlich. Es gibt nicht nur ein Szenario, es gibt viele verschiedene, die auch miteinander verkettet sind. Meistens geht es nicht darum, dass etwas schlagartig passiert, sondern um Prozesse, zum Beispiel Versorgungsengpässe nach einem Stromausfall, aus denen sich irgendwann Plünderungen ergeben. Das ist nicht an einem Tag festzumachen.


Seit wann gibt es Prepper?


Der Begriff ist zum ersten Mal wahrscheinlich um die Jahrtausendwende aufgetaucht, als im Zusammenhang mit dem »Millennium Bug« Ängste bestanden, die weltweit vernetzten Rechner würden die Zeitumstellung auf das Jahr 2000 nicht verkraften und es käme weltweit zu großen Katastrophen. In Deutschland tauchte der Begriff erst um 2012 auf, und auch die Gruppen und Foren im Internet sind noch recht jung. An sich ist das Phänomen aber schon älter. Schon im Kalten Krieg gab es Menschen, die Bunker gebaut und Vorräte angesammelt haben.


Foto: Sebastian Sellhorst


Das ganze Interview mit Sozialwissenschaftler Mischa Luy können Sie in der Oktober-Ausgabe von HEMPELS lesen