HEMPELS Strassenmagazin

Straßenkunst

Dominik Bloh wurde mit 16 und für elf Jahre obdachlos, trotzdem hat der heute 29-Jährige dabei sein Abitur gemacht. Wir haben uns mit ihm dort getroffen, wo er früher auf der Straße gelebt hat.


»Hier fing es an, dass sich was bewegt hat«, sagt Dominik Bloh und blickt hinunter auf die Elbe. In einem öffentlichen Park mit stilisierten Palmen aus Stahl steht er jetzt, im Rücken das Hamburger Rotlichtviertel St. Pauli, vor sich den Fischmarkt, Docks, Kräne. »Hier konnte ich langsam meine Rastlosigkeit ablegen«, sagt Bloh und zeigt auf eine hölzerne Panoramabank, »auf der habe ich nachts immer geschlafen.«


Dominik Bloh, früher unter anderem in der Nähe von Ratzeburg zu Hause gewesen und inzwischen 29 Jahre alt, ist in Hamburg mit 16 und für insgesamt elf Jahre obdachlos geworden; zwei Jahre, bis 2015, war der Park oberhalb der Elbe sein öffentlich einsehbares Zuhause. Nachts mit Schlafsack auf der Holzbank, am Tage mit Stift und Block und dem Ziel, das Leben schreibend neu zu ordnen. Inzwischen sind seine Texte in einem Aufmerksamkeit hervorrufenden Buch publiziert worden, »Unter Palmen aus Stahl«. Und schon in den Jahren davor war ihm kaum Vorstellbares gelungen: 2011 hat er, obdachlos lebend, sein Abitur gemacht.


Foto: Peter Werner


Dominik Blohs Geschichte können Sie in der April-Ausgabe von HEMPELS lesen.

 

 

 

 

 

Endlich angekommen

Jugendliche mit Gewalterlebnissen oder traumatischen Fluchterfahrungen benötigen besondere Unterstützung. Es sind Menschen wie der junge Syrer, der 2014 über das Mittelmeer floh und in der Safety Villa in Neumünster ein neues Zuhause fand.


Das Restaurant ist ein besonderer Ort für Noureddin Soliman. Der 19-Jährige schüttelt Hände, umarmt, klopft auf Schultern – alle freuen sich über seinen Besuch. »Die Menschen hier sind wie Geschwister für mich«, sagt er. Die meisten Mitarbeiter und Gäste verbindet, dass sie einen sicheren Ort gesucht und in Neumünster gefunden haben. Genauer: In der Safety Villa. So heißt die Jugendhilfe-Einrichtung, zu der auch das Restaurant gehört. Sie bietet traumatisierten jungen Menschen ein sicheres Heim. Einer von ihnen ist Soliman, nach Europa ist er auf einem Flüchtlingsboot gekommen.


Viel Zeit hat Soliman heute nicht: Er kommt aus der Schule, hat den Schulrucksack noch geschultert. Den wirft er nun während des Interviews unter einen Tisch im Restaurant. Wenig später muss er weiter, zum Freitagsgebet. Schule, Restaurant, Moschee – Neumünster ist seine Stadt geworden, sein neues Zuhause. Seit Ende 2014 lebt er hier. Sein altes Zuhause, die Stadt Aleppo, wurde im syrischen Bürgerkrieg großflächig zerstört. Die Safety Villa unterstützt ihn seit seinem ersten Tag in Schleswig-Holstein.


Foto: Heidi Krautwald


Weiterlesen können Sie diesen Artikel in der neuen HEMPELS, erhältlich beim Straßenverkaufenden Ihres Vertrauens.

 

 

 

 

 

Ein Traum

An Deutschlands Schulen fehlen Lehrer, und aus Syrien müssen viele Lehrer flüchten. Ein besonderes Pilotprojekt in Brandenburg bildet jetzt einige von ihnen zu Assistenzlehrern an Grundschulen aus.


An einem Freitagmorgen hastet Basel Alsayed durch die Gänge der Grundschule »Am Pappelhain«. Er findet den Klassenraum der 1a nicht. Dort aber soll er gleich aushelfen, die Englischlehrerin ist krank. Alsayed, 29, nach hinten gekämmte dunkle Haare und akkurat gestutzter Bart, schaut auf seine Uhr. In wenigen Minuten beginnt der Unterricht.


Er öffnet eine Tür, doch im Klassenzimmer steht bereits eine Lehrerin: »Die 1a ist im Erdgeschoss.« »Ach ja«, sagt Alsayed. Nervöses Lachen. Er ist aufgeregt, er wird das erste Mal vor dieser Klasse stehen. Und kommt zu spät, dabei will er alles richtig machen. Mit kleinen, schnellen Schritten geht er die Treppen runter, um die Ecke, den Flur entlang. Endlich entdeckt er das erlösende Schild. 1a. Durchatmen. Umschalten. Mit einem gutgelaunten »Good Morning« betritt Alsayed den Raum. 19 Schüler blicken ihn an.


Foto: Hanna Gieffers


Diesen und andere Artikel können Sie in der April-Ausgabe der HEMPELS lesen.