HEMPELS Strassenmagazin

Millionenspiel

Der Kieler Rockmusiker Heinz Ratz hat ein ungewöhnliches Projekt gestartet: Bei hundert Konzerten will er in diesem Jahr eine Million Euro Spenden gegen Rechts sammeln

»Na ja«, sagt Heinz Ratz dann ganz zum Schluss und kommt auf Ernst Barlach zu sprechen, den lange verstorbenen Bildhauer und Schriftsteller. Über das Gute im gesellschaftlichen Zusammenleben hatte Ratz zuvor laut nachgedacht, über die »anständigen Menschen, die es überall gibt«, aber vor allem auch über jene, deren Handeln »durch zerstörerische Gier bestimmt ist und die sich nicht mäßigen«. Wenn man seine Ausführungen einigermaßen richtig verstanden hat, ein insgesamt eher pessimistischer Rundblick auf den Zustand der Welt.

»Na ja«, sagt Ratz jetzt also, »Barlach hat mal geschrieben: Wer die Augen vor dem Unheil in der Welt verschließe, trage mit dazu bei.« Zu denen, das will Ratz mit Barlachs Worten sagen, möchte er nicht gehören.

Foto: Peter Werner

Diesen Bericht finden Sie in der neuen HEMPELS – wie immer nur erhältlich bei den Straßenverkaufenden Ihres Vertrauens!

 

Man kann nicht allen Bettlern etwas geben. Doch!

Sagt die Journalistin VALERIE SCHÖNIAN in der Wochenzeitung »Die Zeit«. Wir drucken ihren Appell hier nach

Gute Plädoyers gehen auch mal um die Ecke. Ich möchte mit der Ecke Breiter Weg/Ernst-Reuter-Allee beginnen, in der Innenstadt meines Heimatorts Magdeburg, neben dem Eingang zu McDonald’s. Oft sitzt dort irgendein Mensch, der einen Hut vor sich liegen hat und jenen Leuten entgegenschaut, die gleich für 3,59 Euro eine Sechserpackung gepresstes Hähnchenetwas kaufen werden. Als ich klein war, so klein, dass ich auf Augenhöhe dieser Sitzenden über die Straßen lief, stand ich einmal an dieser Ecke und fragte meine Mutter, warum niemand Geld in den Hut wirft und wieso auch wir das nicht tun. Sie antwortete: Man kann nicht allen Bettlern etwas geben.

Es war derselbe Ton, in dem sie verkündet hatte, dass man keine Regenwürmer isst. Ein elterliches Dogma. Es prägte meine kindlichen Gehirnwindungen, sodass ich ihm lange gefolgt bin: wenn ich konzentriert die U-Bahn-Werbung las, um die aufgehaltene Hand vor mir zu übersehen; wenn ich ins Geschäft stürmte, um den Hut am Boden nicht zu bemerken; wenn ich einen Schluck nahm, um dem Mann neben meinem Tisch nicht antworten zu müssen.

Foto: Bernd Bünsche

Das ganze Plädoyer von Valerie Schönian können Sie in der April-Ausgabe Ihrer HEMPELS nachlesen!

 

Schmeckt schon

Hartmut Starcke hat früher Köche ausgebildet. Jetzt im Ruhestand kocht er in Lübeck ehrenamtlich für Bedürftige. Wir haben ihm dabei über die Schulter geschaut

Hartmut Starcke hustet sofort los, als er den Raucherraum betritt. Er hustet sehr laut und offensichtlich übertrieben; alle im Raum lachen. Hartmut Starcke ist Nichtraucher – und er ist Koch, genauer: ehrenamtlicher Koch im Lübecker Café Warm und Trocken (W.u.T.). Die Menschen im Raucherraum gehören zu den Gästen, für die er kostenlose Mahlzeiten zubereitet. Warum er das tut? »Um mein Glück zu teilen. Klingt vielleicht pathetisch – ist aber so.« Für seinen Einsatz im Café W.u.T. bekam Hartmut Starcke 2018 den Günter-Harig-Preis, mit dem die Lübecker Petrikirche sozial engagierte Bürger auszeichnet.

Das Café W.u.T. erstreckt sich über die drei Etagen eines alten Hauses auf der Lübecker Altstadtinsel; auf der anderen Straßenseite liegt das Feuerschiff Fehmarnbelt in der Trave vor Anker. Das Café ist ein Treffpunkt für Menschen in sozialer Not: Wohnungslose und Arme, Menschen mit Suchtproblemen oder wenigen sozialen Kontakten können hier kostenlos an jedem Tag der Woche zusammen Mittag essen und Kaffee trinken. Die Hauptspeise heute: Nudelauflauf mit Brokkoli, Blumenkohl und Hühnchen.

Foto: Peter Werner

Von den Mitarbeitern und Besuchern des Café W.u.T. erfahren Sie in der April-Ausgabe Ihrer HEMPELS!