HEMPELS Strassenmagazin

Ganz normal

Fotografin Sophie Kirchner zeigt den Alltag eines jungen Mannes mit Down-Syndrom

Sie will anderen Menschen die Augen öffnen, und so richtet Sophie Kirchner ihren fotografischen Blick auch auf die Augen eines besonderen jungen Mannes: Hagen ist Anfang dreißig und lebt mit dem Down-Syndrom, bis heute werden Menschen wie er in der Gesellschaft zu häufig noch ausgegrenzt. "Meine Arbeiten sollen den Betrachter dazu einladen, eingefahrene Denkmuster zu überprüfen", sagt Kirchner, "Hagen lebt mit einem Handicap, aber er lebt selbstbewusst sein normales Leben."

Fotografin Kirchner und ihr Fotomodell Hagen sind gleichaltrig und kennen sich seit frühester Kindheit. "Hagen hat schon immer andere Menschen mit seiner Leichtigkeit inspiriert und macht seine Dinge mit Selbstverständlichkeit." Mit den Bildern will sie Lebensumstände ins Gespräch bringen, die von anderen als fremd verstanden werden. Die Arbeiten legen den Blick frei auf besondere Lebensumstände, ohne den Betroffenen dabei zu nahe zu treten oder sie gar bloßzustellen. Die Fotografin zeigt so ohne falsche Scheu eine Normalität, von der in Deutschland etwa 50.000 Menschen betroffen sind, bei denen das 21. Chromosom dreifach vorhanden ist.

...... Weiterlesen im Straßenmagazin

 

 

Scheißjob

Aufs Klo muss man immer, auch auf den Sommer-Festivals. Kieler Studenten haben daraus eine Geschäftsidee entwickelt, die Menschen in fernen Ländern hilft

Der Flyer ist um eine Rolle gewickelt. Und dreilagig. Er soll die Menschen im richtigen Moment erreichen. "Wann denkt man am ehesten an Toiletten? Wenn man auf einer sitzt", erklärt Malte Schremmer. "Daher ist Klopapier für uns der perfekte Flyer." Die Forderung darauf: "Alle für Klos – Klos für alle!"

Der 29-jährige Schremmer arbeitet bei Goldeimer, einem Projekt, das sich für das menschliche Geschäft einsetzt – von der Toilette über das Klopapier bis zur Kompostierung der Fäkalien. Goldeimer wurde von Geographie-Studenten der CAU gegründet. Seit 2013 errichten sie mobile Komposttoiletten auf Festivals und seit vergangenem Jahr verkaufen sie Klopapier. Ihr Ziel: Nachhaltig und sozial zu sein. Sie wollen die sanitäre Versorgung in fernen Ländern verbessern.

Nachhaltig seien die Goldeimer-Klos, weil sie weder Wasser noch Chemie benötigen, sagt Johannes Manthey. Der 27-Jährige arbeitet neben seinem Studium für Goldeimer. Die Fäkalien werden kompostiert, es gibt keine Abfälle. Umweltfreundlich sind auch die Goldeimer-Flyer: Sie bestehen zu 100 Prozent aus Recycling-Papier. Sozial sei das Projekt, weil der Jahresgewinn von Goldeimer "Viva con Agua" zugute kommt, einer vom früheren FC St. Pauli-Fußballprofi Benny Adrion gegründeten Initiative, die sich für sauberes Trinkwasser engagiert. "

Weiterlesen:

Die Juniausgabe von HEMPELS gibt es ab sofort im Straßenverkauf.

 

 

 

An den Zufall adressiert

Wenn Menschen heute einen Partner suchen, wenden sie sich oft an ein Datingportal. Andere finden durch eine Eiche zueinander.

Manchmal ist die Wirklichkeit unfassbar kitschig. Manchmal gibt es Zufälle, die in keinem Drehbuch stehen könnten, weil sie niemand glauben würde. Auf einer Kette von Zufällen basiert die Ehe von Peter und Marita Pump. "Keine Frage, da waren höhere Mächte im Spiel", ist sich die 76-Jährige sicher.

Datingportale werben im Fernsehen, im Internet oder auf großen Plakaten damit, für jeden Menschen den richtigen Partner zu finden. Algorithmen und Persönlichkeitstests sollen aufzeigen, wer zu wem passen könnte: Die wahrscheinlich beste Partnerwahl wird berechnet. Ganz ohne Berechnung lernten sich 1958 Peter und Marita Pump kennen. Wie gut sie zusammenpassen, war damals kaum absehbar und aus heutiger Sicht höchst unwahrscheinlich. Denn der Zufall spielte eine entscheidende Rolle – und ein Zettel in einem Baum. Ihre Ehe hält bis heute.

Der Baum, der sie zusammenführte, ist eine etwa 500 Jahre alte Eiche. Sie steht im Dodauer Forst bei Eutin. Ihr Stamm hat einen Umfang von fünf Metern, der Wipfel befindet sich 25 Meter über dem Waldboden. Ein uralter, wunderschöner Baum – doch seine eigentliche Besonderheit ist ein Astloch. Der kleine Hohlraum fungiert als Briefkasten: In ihm landen Briefe, adressiert an die Bräutigamseiche. So heißt sie, seit 1891 die Tochter eines Dodauer Försters unter der Eiche einen Leipziger Schokoladenfabrikanten heiratete. Zuvor hatten sie heimlich Liebesbriefe füreinander im Astloch versteckt. Seither schicken Menschen Briefe an die Eiche, die Partner oder Freunde suchen.

(Beitrag von INSP.ngo / Hinz und Kunzt)

Lesen Sie diesen und weitere Beiträge im aktuellen Magazin. Sie erhalten es ab Monatsbeginn bei Ihrem Straßenverkäufer und zum Monatsende bei uns als PDF zum Download.