HEMPELS Strassenmagazin

Mit neuen Kleidern

Wer Hochglanzfotos aus der Arbeitswelt braucht, für Magazine oder Internetseiten etwa, kauft beim Branchenriesen »Getty Pictures« künftig vielleicht Bilder von wohnungslosen Models. Denn zusammen mit unseren Düsseldorfer Kollegen von fiftyfifty haben zwei Fotoagenturen Straßenzeitungsverkäufer in Geschäftsleute, Modedesigner oder Architektinnen verwandelt. Das Ziel: Vorurteilen über Wohnungslose etwas entgegenzusetzen

 

Die Kampagne hat einen Nerv getroffen. Deutschlandweit wurde über »Repicturing Homeless« berichtet (auf Deutsch etwa: andere Darstellung von Obdachlosigkeit). »Wir hatten noch nie eine Kampagne mit dieser Reichweitenstärke«, sagt Hubert Ostendorf von der Düsseldorfer Straßenzeitung fiftyfifty über die zusammen mit den Agenturen Havas und Getty durchgeführte Aktion. Neben der großen Öffentlichkeit, auch durch eine multimediale Ausstellung der Bilder in Düsseldorf, fließen die Einnahmen aus dem Verkauf von Foto-Lizenzen in die Wohnprojekte des Vereins.

 

Ein großer Erfolg. Doch Wohnungslose neu beziehungsweise anders darzustellen – ist das möglich, indem man sie in fremde Rollen schlüpfen lässt, um fremde Produkte, Dienstleistungen, Inhalte zu verkaufen?

 

Text: Bastian Pütter

 

Foto: Frank Schemmann, Getty / Havas

 

Den Bericht und die Fotos finden Sie in der August-Ausgabe Ihrer HEMPELS

 

 

 

 

 

Lebenswirklichkeit »on air«

Von Husum aus sendet eine aus Menschen mit geistigen und körperlichen Handicaps bestehende Redaktionsgruppe regelmäßig ein eigenes Radioprogramm. Ein in dieser Form deutschlandweit einmaliges Projekt

 

»Na ja«, sagt Anna, als sie aus dem Sendestudio kommt. Dann erstmal tief durchatmen, auch in den großen Radioanstalten ergeht das den Moderatoren wohl nicht anders in solchen Momenten unmittelbar nach einer Live-Sendung. »Ist ganz gut gelaufen«, sagt Anna schließlich, »aber einmal habe ich mich verschaltet.«

 

Einen falschen Knopf hat die über nur noch zehn Prozent Sehkraft verfügende Radiomacherin da versehentlich gedrückt, besonders aufmerksame Zuhörer konnten für einen ganz kurzen Moment zwei übereinander laufende Musiktitel hören.

 

Foto: Peter Werner


Die ganze Geschichte des besonderen Moderatorenteams aus Husum lesen Sie in der neuen HEMPELS, erhältlich beim Straßenverkaufenden Ihres Vertrauens

 

 

 

 

 

Das ist ihr Bier

Neues ausprobieren, eigene Wege gehen – im Alltag werden wir immer öfter mit ungewöhnlich erscheinenden Produkten konfrontiert. Craft-Beer gilt vielen als Modebegriff, dabei steht diese Art des Brauens für handwerkliche statt industrielle Produktion. Ein Besuch bei jungen Bierbrauern

 

Eigentlich hat Jakob Zuther Deutsch und Philosophie studiert. Und eigentlich arbeitet er in einer Wohngruppe für Kinder. Doch an diesem Mittwochvormittag hat der 33-jährige Kieler etwas anderes vor: Er möchte Bier brauen. »Ich bin großer Bier-Liebhaber – und ich liebe es, neue Geschmäcker zu entdecken«, sagt Zuther. Seine ersten Brau-Versuche hat er in der eigenen Küche unternommen, heute ist er im sogenannten Braulabor von Lillebräu zu Gast.

 

Lillebräu ist eine Kieler Biermarke, in ihrem Braulabor experimentieren die Profis von Lillebräu und Hobby-Brauer mit neuen Rezepten. Neben den großen Biermarken, die jeder aus der Werbung oder dem Supermarktregal kennt, gibt es in Deutschland eine wachsende Szene von regional und unabhängig produzierenden Brauern. Einige von ihnen bezeichnen ihr Bier als Craft-Beer. Craft ist das englische Wort für Handwerk, der Begriff stammt wie der ursprüngliche Trend aus den USA. Craft-Beer steht demnach für handwerklich gebrautes Bier. In Schleswig-Holstein brauen so etwa die Ricklinger Landbrauerei, Schwalebräu aus Neumünster, die Hansens Brauerei aus Flensburg, Klüvers Brauhaus in Neustadt in Holstein – und Lillebräu aus Kiel. Aus dem Hause Lillebräu stammte in diesem Jahr sogar das offizielle Bier der Kieler Woche.

 

Foto: Heidi Krautwald

 

Diesen und andere Artikel können Sie in der August-Ausgabe von HEMPELS lesen