Erste mobile Unterkunft für Wohnungslose in Deutschland24.07.15

Schritt für Schritt entsteht ein Minihaus. Fotos: Alexandra Bremer

Eine Matratze, Regale, Taschen für Klamotten, Lichterketten, ein Radio und draußen sogar eine Solardusche: Das ist der Traum eines manchen Menschen, der ohne eigene Wohnung lebt. Dank des Geschicks und der Ideen von Alexandra Bremer erfüllt er sich jetzt für einige der Obdachlosen auf Bremens Straßen.

Die Zahl der Wohnungslosen schätzt der Bereichsleiter der Wohnungslosenhilfe beim Verein für Innere Mission, Bertold Reetz, auf mittlerweile rund 600. Die Malerin Alexandra Bremer aus Bremen war selber schon einmal von der Obdachlosigkeit bedroht. Als sie mitbekam, dass dieses Schicksal auch einem Bekannten drohte, wurde sie aktiv. „Ich habe über das Internet in Oklahoma selber gebaute Minihäuschen gesehen und Kontakt zu dem Konstrukteur aufgenommen“, erzählt sie. Aus einfachen Materialien, die ansonsten im Sperrmüll landen würden, und weiteren zugekauften oder gespendeten Materialien baut Bremer Häuschen, die so klein sind, dass sie auf jeden Stellplatz für einen Pkw passen. Betreten wird die deutschlandweit erste mobile Obdachlosenunterkunft durch eine ausrangierte Kühlschranktür und im Inneren kann es sich der Bewohner auf engstem Raum gemütlich gemacht.

„Sicherlich ist das keine Dauerlösung, doch es ist viel besser, als kein Dach über dem Kopf zu haben. Es ist trocken und die wenigen Habseligkeiten sind hier geschützt“, sagt die 47-jährige Malerin. Während des Gesprächs mit HEMPELS hämmert im Hintergrund der neue Bewohner des mittlerweile dritten Häuschens an seiner Unterkunft. Am 30. Juli wird dieses mit weitern bis dahin fertiggestellten „Bremer-Häusern“ auf dem Marktplatz in Bremen präsentiert. „Wir möchten die Bürgerschaft zum handeln bewegen, uns Genehmigungen für das Aufstellen der Häuser an bestimmten Plätzen zu erteilen. Wir brauchen zudem noch mehr finanzielle Unterstützung, die bisher von einigen Vereinen gewährt wird, um weitere Häuser zu bauen“, sagt Bremer. Ziel ist natürlich auch, Politik und Öffentlichkeit für das Thema Obdachlosigkeit zu sensibilisieren und eine Verbesserung der Wohnungslosensituation zu erreichen.

Auch die Bürger sollen mit der öffentlichen Ausstellung der Häuschen ins Boot geholt werden. „Wir sind sehr dankbar, dass uns schon jetzt einige Anwohner unterstützen. Wir hängen Zettel an den Häuschen auf und geben darauf bekannt, was noch fehlt“, sagt Bremer. Auf diese Art habe man schon einen Kartoffelschäler, aber auch Baumaterial erhalten.

In den USA, Kalifornien voran, stehen solche Minihäuser schon länger. Vielleicht ja auch bald bei uns. Bremer ist bereits in Gesprächen mit Organisationen in weiteren Städten. Bleibt zu wünschen, dass sich die Behörden flexibel zeigen, was das Aufstellen der Häuser angeht.

Text: Hilke Ohrt