HEMPELS Verkäufer im Café

"Froh und dankbar, dass ich mit anpacken kann"

Auch während Corona-Krise kocht HEMPELS-Mitarbeiter Marcus vom Mittagstisch Manna weiter für Obdachlose

TEXT: GEORG MEGGERS, FOTO: PETER WERNER

Normalerweise trifft man HEMPELS-Koch Marcus auf dem Weg in unser Café "Zum Sofa". Wenn man sich einen Kaffee holt und im Vorbeigehen kurz in die Küche grüßt, erwischt man ihn entweder schwer beschäftigt mit Topf, Messer oder Kelle in der Hand – oder ganz entspannt in einer kurzen Arbeitspause mit einem stets dicken Buch auf dem Schoß.

Normal ist derzeit nicht viel. Darum erreicht man ihn heute nicht durch die Küchentür, sondern – sozial distanziert – per Telefon. Der HEMPELS-Reporter arbeitet aufgrund der Corona-Krise von zuhause aus. Marcus, der in diesem April 46 Jahre alt wird, kann das nicht. Für Köche ist Homeoffice keine Option. Erster Anruf: Marcus hat keine Zeit, gerade brutzeln etliche Würstchen auf seinem Herd, die müssen regelmäßig gewendet werden. Bitte später noch einmal versuchen, richtet er aus.

Seit 16 Jahren kocht Marcus für den Mittagstisch Manna, den wir von HEMPELS gemeinsam mit unseren Partnern Caritas im Norden und stadt.mission.mensch in der Kieler Innenstadt betreiben. Bis zur Corona-Krise versorgte der Mittagstisch Manna bedürftige und wohnungslose Menschen – seither können wir dieses Angebot leider nur noch für Obdachlose aufrechterhalten. Zwei Mahlzeiten pro Tag bekommen sie.

Vor der Corona-Krise waren die zubereiteten Lebensmittel meist gespendete Reste von Einzelbetrieben der Lebensmittelwirtschaft, der Kieler Tafel sowie den Kantinen der Stadtwerke Kiel und des Universitätsklinikums Kiel. Nun verwenden unsere Köche Spenden direkt aus dem Lebensmittelhandel.

Normalerweise – noch so ein Normalerweise – kocht Marcus meist zusammen mit Miguel, unserem anderen Koch. "Wir sind ein richtig gutes Team", sagt Marcus, als man ihn im zweiten Versuch erreicht. Aktuell sind sie leider kein Team: Um eine Ansteckung zu verhindern, arbeiten Marcus und Miguel nun abwechselnd und somit getrennt voneinander. Eine Woche nur Marcus, die nächste nur Miguel. "Schon schade, dass ich nun immer alleine koche. Aber einfach vernünftig so", sagt Marcus.

Hat er gerade aufgrund der Corona-Krise besonders viel Stress? "Nein, alles gut." Mehrfach werden wir im Telefongespräch unterbrochen, weil sich Marcus doch noch um etwas in der Küche kümmern muss. Wirklich nicht mehr Stress? "Na ja, es ist natürlich eine schwierige Phase. Für uns alle. Aber ich bin froh und dankbar, dass ich mit anpacken und anderen helfen kann! Wir bei HEMPELS sind alle eingespielt und setzen uns trotz allem für Bedürftige ein."

Irgendwann später am Tag wird er auch nochmal Zeit für etwas Lektüre haben, sagt er. Aktuell liest er ein Buch über die österreichische Musikgeschichte. Und ein schwedisches Kochbuch – ein Rezept daraus will er morgen für den Mittagstisch Manna ausprobieren. Nun muss er sich noch um das heutige Gericht kümmern, sagt er am Telefon. Doch eines möchte er unseren Leserinnen und Lesern noch ausrichten: "Haltet durch! Ich bin Optimist – und bleibe es. Und ich freue mich schon auf das HEMPELS-Fest nach der Corona-Krise."

Ob bei uns bei HEMPELS oder bei anderen Trägern in Schleswig-Holstein – angesichts der Corona-Krise mussten soziale Beratungs- und Versorgungsangebote überall ihre Öffnungszeiten vorübergehend stark reduzieren und in einen Notbetrieb übergehen. Für die dort tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist das mit ganz besonderen Herausforderungen verbunden. In loser Folge stellen wir künftig an diesem Ort Menschen vor, deren Hilfe jetzt mehr denn je gefordert ist.

Unser Mitarbeiter Marcus kocht trotz Corona-Krise weiterhin für Obdachlose.